Weniger Schüler- und Studentenjobs in Fabriken
Der Umstand, dem in der Vergangenheit viele junge Leute einen gut dotierten Job zu verdanken hatten, wurde mit dem Begriff Werksferien bezeichnet. Während dieser Zeit sonnte sich ein beträchtlicher Teil der Belegschaft am Mittelmeer oder wanderte in den Alpen, so dass es in den Werkshallen Löcher zu stopfen gab. Da kamen Schüler und Studenten häufig gerade recht.
Heute sieht die Sitation anders aus: »Die typischen Werksferien gibt es nur noch selten«, sagt Jörg Nowag, Pressesprecher der Agentur für Arbeit in Bremen. “Die Arbeitszeiten sind flexibler geworden.” In den Werken werde immer mehr projektorientiert gearbeitet. Hinzu kommt der Stellenabbau, der in zahlreichen Unternehmen stattgefunden hat - da passen die Hilfskräfte vielerorts nicht mehr ins Konzept.
Dies hat noch einen zweiten Grund: “In vielen Bereichen ist das so kompliziert geworden, dass man gar keine Aushilfen mehr ranlassen kann”, erklärt Günter Willich vom Arbeitgeberverband Nordmetall in Hamburg. “Die reinen Hilfstätigkeiten, das nimmt immer mehr ab, die Anforderungen an solche Stellen steigen”, bestätigt Jörg Nowag.
Das gilt selbst für vermeintlich unqualifizierte Tätigkeiten im Lager: “Man muss da teilweise Gabelstapler fahren können, man muss kommissionieren und sich lange Zahlenkolonnen merken können”, sagt Nowag von der Agentur für Arbeit. Sich zu sagen “Ich finde nichts Besseres, dann arbeite ich halt irgendwo im Lager”, sei nicht mehr realistisch.
Einen Beweis für diese Aussagen liefert ein Blick auf Webseiten zur Vermittlung von Schülerjobs: Zeitungsausträger werden dort gesucht, Prospektverteiler oder Interviewer in der Markt- und Meinungsforschung - aber so gut wie keine Jugendlichen, die in einer Werkshalle oder einem Lager anpacken sollen.
Völlig ausgeschlossen ist es dennoch nicht, einen solchen Job an Land zu ziehen - sei es für die Ferien oder sei es für eine bestimmte Stundenzahl pro Woche. “Das läuft am besten über die Unternehmen direkt”, sagt Heinz Oberlach, Pressesprecher der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. “Da sollten die Jungs und Mädchen einfach mal vorbeigehen und fragen.”
Günter Willich empfiehlt, die Suche auf kleinere Unternehmen am Wohnort zu beschränken. Bei Handwerksbetrieben wie Metallbauern oder Druckereien, bei Zulieferern oder verschiedenen Dienstleistern gebe es unter Umständen Arbeit - im Versand etwa, vielleicht auch im Büro. “Eine Tätigkeit als Bürobote, so etwas könnte ich mir vorstellen.” In der eigentlichen Produktion und generell bei Großbetrieben dürfte es dagegen sehr schwierig werden.
Ein positiver Randaspekt der Flaute: Die Jobs, die gerade zu haben sind, bergen kein hohes Verletzungsrisiko. Dennoch befinden sich Jugendliche, die tatsächlich zum Zug kommen, in dieser Hinsicht auf der sicheren Seite: “Schüler oder Studenten sind während eines Ferienjobs oder Praktikums bei Unfällen gesetzlich unfallversichert, das gilt auch bei Wegeunfällen”, erklärt Roswitha Breuer-Asomaning, Sprecherin beim Bundesverband der Unfallkassen in München.
Auf Praktika haben Schüler Günter Willich zufolge generell bessere Chancen als auf einen Ferien- oder Nebenjob in der Fertigung. “Dabei ist das Ziel aber, die Jugendlichen an einen Beruf heranzuführen, und das Geldverdienen steht nicht im Vordergrund.” Für diejenigen, die ein paar Wochen lang tüchtig ranklotzen und verdienen wollen, ist das somit keine Alternative.
Quelle: http://www.tlz.de/